5 Gründe für die Enttechnisierung

Inhalt

  1. Hohe Kosten beim Bau
  2. Kurze Lebensdauer der Anlagen
  3. Hoher Stromverbrauch für unnötigen Komfort
  4. Zunehmender Handwerkermangel
  5. Digitalisierung der Warm- und Kaltwasserzähler
  6. Gute Gründe umzudenken
Thomas Krüßmann, Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld, Enttechnisieren

Kampf gegen die dritte Miete

Neue Häuser sind heutzutage vollgestopft mit modernster Technik. Timo Leukefeld nennt fünf gute Gründe, warum weniger Technik beim Wohnen mehr bringt, als eingesparte Energiekosten.

  1. Hohe Kosten beim Bau

Die Gebäudetechnik ist heute einer der größten Kostentreiber beim Neubau. Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Heizkreisverteilungen, Regler, die mit Wettervorhersage arbeiten. Warmwasserboiler und Zirkulationen schlagen bereits beim Bau eines Einfamilienhauses mit bis zu 35.000 Euro Kosten zu Buche. Die Energiekosten für Heizung und Warmwasserbereitung liegen im Betrieb später bei ungefähr 7000 Euro jährlich. Doch die Kosten zur Kühlung liegen pro Kilowattstunde dreimal so hoch.

2. Kurze Lebensdauer der Anlagen

Traurig, aber wahr: Die verbaute Haustechnik ist immer weniger langlebig. In den technischen Systemen nehmen die Sollbruchstellen zu. Während ein Heizkessel früher 50 Jahre lang hielt, gibt er heute etwa nach der Hälfte der Zeit den Geist auf. Die Widerstandsfähigkeit von Material und Maschine nimmt vielerorts ab. Notwendige Reparaturen oder Neuanschaffungen treiben dementsprechend die Kosten in die Höhe.

3. Hoher Stromverbrauch für unnötigen Komfort

Ob timergesteuerte Beleuchtung, Sensoren, die die Anwesenheit erkennen, automatische Bewässerungsanlagen oder der schlichte Betrieb komplexer Technologieketten – das vielbeschworene moderne Wohnen kostet mehr Strom, als mancher meint. Der Stromverbrauch für die vielen eingesetzten Geräte und Vorrichtungen kann überraschend explodieren und das Haushaltsbudget nachhaltig belasten.

4. Zunehmender Handwerkermangel

Das Haus oder die Wohnung ist nach den neuesten gebäudetechnischen Kriterien errichtet, der Betrieb aufgenommen. Doch bei der ersten notwendigen Wartung der verbauten Anlagen, tut sich ein Dilemma auf: kein Handwerker ist verfügbar. Erst recht keiner, der sich mit der komplexen, zu wartenden Technik wirklich auskennt. Wir leiden über alle Brachen hinweg hierzulande unter akutem Handwerkermangel. Das führt nicht zur zur langen Wartezeiten bei Instandhaltung und Reparatur, sondern auch zu erhöhten Preisen für die abgerufene Leistungen.

5. Digitalisierung der Warm- und Kaltwasserzähler

In Deutschland werden die HZähler für den Wasserverbrauch spätestens alle sechs Jahre ausgetauscht. In keinem anderen europäischen Land gibt es ähnlich kurze Eichfristen. Mit der neuen Generation, der sogenannten Smart Meter, ist seit 2020 das Ablesen der Verbrauchswerte digitalisiert. Doch die neuen digitalen Wasser- und Wärmeablesesysteme verursachen doppelt bis dreifach so viel Kosten wie bisher.

Viele gute Gründe also, um innezuhalten und unsere Betrachtungsweise modernen Bauens zu überdenken. Statt die dynamischen Entwicklungen von Klima und Wetter weiter zu ignorieren und Gebäude als abgekoppelte Warmluftbehälter zu betrachten, sollten wir die Energetik und Gebäudetechnik daran anpassen. Und ebenso gilt es zu hinterfragen, wie viel Technik wir fürs Wohlgefühl beim Wohnen wirklich brauchen. Weniger Aufwand, solideres Material und einfachere Verfahren könnten erheblich dazu beitragen, Kosten einzusparen und die dritte Miete zu reduzieren. Eines ist sicher: Wartungsfreiheit schenkt am Ende mehr, als die freie Wahl beim Programmmodus.

Als Ingenieur und Handwerker hat Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld selbst viel Technik im Hausbau geplant und eingebaut. Mit der Entwicklung energieautarker Gebäude und neuen Geschäftsmodellen zur Nutzung dieser Gebäude, leistete der Freiberger bereits Pionierarbeit im Sektor der Wohnungswirtschaft. Derzeit forscht er am enttechnisiertenHaus. Bereits seit 2020 erstellt Leukefeld weitgehend enttechnisierte Mehrfamilienhäuser.

CC Titelbild – „The noun Project – Gan Khoon Lay“