Körperliche Arbeit ersetzt keinen Sport

Thomas Krüßmann, Langlauf und Gesundheit

Einer meiner Kumpel ist Paketbote bei einem gelben Paketbotenfahrzeugunternehmen mit roter Aufschrift. Und Langläufer. Um genau zu sein Marathonläufer. Er fängt also um 7 Uhr morgens an mit dem Pakete ausfahren/austragen. Das macht er im Moment so bis ca. 18:00 Uhr, sagt er. Und danach geht er eine Runde (wie er sagt) laufen. Ich kenne ihn, seine Runden sind ca. 15km… und schnell. Nun ja, es ist ja so: er fährt einen Paketbotenwagen. Aber damit ist es ja nicht genug… er trägt Pakete bis 30kg vom Fahrzeug bis zum Kunden. Ebenerdig oder bis ins 3. OG. Bis 30kg dürfen sie nämlich, die Paketbotenunternehmen. Das wäre für den einen oder anderen bereits ausreichend, um abends auf die Couch zu fallen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Mein Kumpel geht noch laufen. Er sagt: „erst nach meiner abendlichen Runde bin ich wieder entspannt und locker“. Die Arbeit würde ihn anstrengen.

Und in der Tat

Immer noch glauben viele Menschen, dass sie nach körperlicher Arbeit keinen Sport mehr treiben müssen. Schließlich haben sie den ganzen Tag über schon mehr als genug für ihre Fitness getan! Doch das ist ein Trugschluss, denn nicht jede Art von Bewegung ist gesund. Nur echte Sportausübung tut dem Körper wirklich gut, allerdings scheint es auch ein »zu viel des Guten« zu geben.

Die Fragestellung lautet: Macht körperliche Arbeit fit?

Zwischen 2003 und 2014 wurden mehr als 100.000 Männer und Frauen aus der Altersgruppe zwischen 20 und 100 Jahren in eine dänische Bevölkerungsstudie aufgenommen. Der Name der Untersuchung: Copenhagen General Population Study. Wissenschaftler vom Nationalen Forschungszentrum für Arbeitsverhältnisse in Dänemark nahmen nun die gesammelten Daten unter die Lupe, um eine wichtige Frage zu beantworten: Macht körperliche Arbeit fit? In ihrer Auswertung schauten sie sich nicht nur die Todesfälle einzelner Gruppen, sondern auch die auftretenden schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei sportlicher Betätigung sinkt das Sterberisiko

Die Forscher glichen in ihrer Analyse störende Faktoren aus, sodass der gesundheitliche Zustand zu Beginn der Studie, der Lebensstil der einzelnen Personen sowie ihr wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Status keine Rolle mehr spielten. In der gesamten Probandengruppe starben während der zehnjährigen Nachbeobachtungszeit 9.846 Studienteilnehmer, das ergibt eine Sterblichkeit von etwa 9,5, Prozent. Zugleich waren 7,6 Prozent im Laufe der Zeit von schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, in blanken Zahlen sind das 7.913 Menschen. Wer sich mittelmäßig stark sportlich betätigte, der hatte eine um 26 Prozent verringerte Sterbewahrscheinlichkeit, gleich welcher Ursache. Bei hoher Betätigung stieg dieser Prozentsatz sogar auf 41, bei sehr hoher Intensität verharrte der Wert bei 40 Prozent.

Fazit: Treibt Sport!

Ging die physische Belastung allerdings vom Beruf aus, so stieg die Mortalität bei großer Belastung um 13 Prozent – und bei sehr großer Belastung schnellte sie sogar um 27 Prozent nach oben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sanken um 14 Prozent, sobald die Probanden nur mäßig Sport trieben. Bei mittlerer sportlicher Belastung schrumpfte das Risiko sogar um 23 Prozent, während es bei hoher Fitness-Belastung nur 15 Prozent niedriger lag. Stark belastete Arbeiter gerieten zu 35 Prozent eher in Gefahr, am Herzen oder dem Kreislaufsystem zu erkranken, bei etwas geringerem Arbeitseinsatz waren es immerhin noch 15 Prozent.

Was lernen wir daraus? Es gibt einen Unterschied zwischen erzwungener und freiwilliger körperlicher Belastung. Also Leute, treibt Sport, insofern es euer Gesundheitszustand zulässt! Ganz egal, ob ihr während der Arbeit am Rechner hockt oder eure Muskeln anstrengt. 

Quelle: science.orf.at

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CC Titelbild: „The Noun Project – Road Signs – Vectros Point“

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