Die Bestrafung

Thomas-Ks Quickies „Was tut man sich bloß an?!“

Lesezeit: 3 Minuten

Ich spüre jedesmal wenn ich wieder im sportlichen Flow bin…

…es ist so GEIL! Es tut gut und mein Körper findet es phänomenal! Meine Körperspannung ist perfekt, ich bin im Sauerstoffüberschuss, die Gelenke flutschen und die Muskulatur kribbelt vor lauter Übermütigkeit, ich vergleiche diesen Zustand immer mit 1000en Nachtschnecken die über meinen Körper rutschen.

Es ist schon deshalb ein überwältigender Gesundheitszustand weil er vor der rein körperlichen Höchstleistungsfähigkeit nicht halt macht. Auch die geistige und mentale Leistungsfähigkeit ist überragend. Kreativität, Ausgeglichenheit, Resilienz und Potenz sind auf Höchststufe. Auch hier vergleiche ich es gern, ich nenne es den Donald Duck Effekt: ständig gut drauf und durch die Gegend rennen wie eine Glücksente und wenn es dann, wie bei Donald, doch immer wieder einen auf die Fresse gibt, einfach wieder aufstehen, sich schütteln und weitermachen wie ein Stehaufmännchen. Und das ganze mit einem Lächeln.

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Als ehemaliger Oberliga Handballspieler war ich Hochleistungssportler. Allerdings war ich in einem Alter, in dem ich das noch nicht so recht wusste. Es war normal und die Gesundheit war da. Sie war einfach da. Muckte nicht und katapultierte mich von einem Sieg zum nächsten.

Dann kam das Leben: Bundeswehr, anschließender Job, Frauen- und Familienideen. Alles natürlich erfolgreich, weil ich ja Erfolg kannte und er für mich normal war. Alles im Kredit auf die vorhandene Gesundheit, die damals noch keine Holschuld war.

Irgendwann kam das Problem, dass kommen musste! So klar, wie das Amen in der Kirche! Logisch, aus heutiger Sicht! Die Gesundheit schwand, die Verfettung siegte und ich war das erste mal nicht mehr so Leistungsfähig wie ich es gewohnt war. Weder körperlich noch geistig. Ich hatte das Gefühl zu verblöden und das war der Beginn einer mittlerweile Serie von Gesundheits-Rückholaktionen, die ich in meinem Leben vollbringen musste und irgendwann habe ich mich natürlich gefragt:

Mensch Krüßmann, was tust du dir eigentlich an!

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Ein Hochleistungssportler verliert bei kompletter Sportpause relativ schnell einen Teil seiner spezifischen Leistungsfähigkeit, aber nicht „alles“ und nicht auf das Niveau eines Untrainierten.

Was verloren geht

  • Ausdauerleistung (VO2max, Herz-Kreislauf): Die maximale Sauerstoffaufnahme sinkt schon nach 2 Wochen messbar, in der Regel um etwa 6–10 %. Nach 4–8 Wochen können es 10–20 % sein; langfristige Pausen führen zu noch grösseren Einbußen, bleiben aber meist über dem Niveau von Nie‑Trainierten. Ursache sind u.a. weniger Blut- und Plasmavolumen und ein geringeres Schlagvolumen des Herzens.
  • Herzanpassungen: Linke Herzkammer wird kleiner und die Wand etwas dünner, wodurch das Schlagvolumen sinkt und die Herzfrequenz bei Belastung steigt.
  • Muskelfunktion und -enzyme: Muskelspezifische Ausdauer (oxidative Enzyme wie Citrat-Synthase) und Laktat-Toleranz nehmen bereits in den ersten Wochen ab (Halbwertszeit der Enzyme etwa 12 Tage). Damit fühlt sich dieselbe Belastung schneller „sauer“ und hart an.
  • Kraft und Schnellkraft: Maximalkraft und besonders Explosivkraft gehen ohne Training zurück, teils schon nach 2–4 Wochen; bei Ausdauersportlern wurde nach 2 Wochen weniger isokinetische Kniestreckkraft gemessen.
  • Metabolische und hormonelle Vorteile: Insulinsensitivität verschlechtert sich, der Körper lagert leichter Fett ein und nutzt Kohlenhydrate/Fette weniger effizient, was die frühe Ermüdung begünstigt.
  • Wettkampfspezifische Fähigkeiten: Technikfeeling, Timing, taktische Automatismen und mentale Schärfe lassen nach, obwohl das schwieriger zu messen ist; Leistungsdaten zeigen aber klare Einbußen bei Geschwindigkeit, Power und Belastungstoleranz.

Kurz: Ich verliere vor allem Spitzenleistung und Spezifik, nicht meine gesamte Grundlage.

Was bleibt (relativ) erhalten

  • Strukturelle Anpassungen: Kapillarisierung und ein Teil der mitochondrialen Enzymaktivität bleiben auch nach längerer Pause noch über dem Niveau von Untrainierten.
  • Grundmuskulatur und Körperzusammensetzung: Muskelmasse nimmt meist nur langsam ab; nach kurzer Pause kann die fettfreie Masse sogar leicht steigen, weil akuter Belastungsstress wegfällt.
  • Trainingshistorie: Die „Muscle‑Memory“ und die Erfahrung bleiben; deshalb gewinnt ein Ex‑Hochleistungssportler seine Form deutlich schneller zurück als ein Anfänger überhaupt dorthin kommt.

Rückholaktionen sind schwieriger als Erhaltungsaktionen

Ich kann mir meine Spitzenleistung also zurückholen. Durch Sport – natürlich! Jedoch bemerke ich von mal zu mal, und ich habe bis zum heutigen Zeitpunkt 5 mal neu starten müssen, es wird schwerer.

Das Rückholen wird also immer anstrengender als das Erhalten der vollen Leistungsfähigkeit.

Dürfte klar sein, was ich in Zukunft tun werde!!

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