oder: wie passt Mann in seiner innerlichen Zerrissenheit zur modernen Frau?
Inhalt dieses Beitrages:
•Partnersuche ist Glückssache
•Bild des modernen Mannes
•Bild der modernen Frau
•Männerspagat bis die Knochen brechen
•Was ergibt sich daraus für den heutigen Mann
•Wie kann es trotzdem funktionieren mit der Partnerschaft
Lesedauer: 6 Minuten
Partnersuche ist Glücksache? Oder kann man nach wie vor davon ausgehen, dass trotz der Geschlechter spezifischen gesellschaftlichen Veränderungen noch eine unbefangene Partnersuche möglich ist? Ich bin ja auch persönlich betroffen und ich werde die Hoffnung natürlich nicht aufgeben. Es gibt nämlich Schnittstellen zwischen Mann und Frau, die sich nicht weggendern lassen.
Das Bild des „modernen Mannes“ befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Historisch waren Männlichkeitsbilder meist klar definiert: Stärke, Dominanz, Unabhängigkeit und eine zentrale Stellung als Familienernährer galten lange als Ideal. Seit dem späten 20. Jahrhundert wurden diese starren Vorstellungen jedoch zunehmend hinterfragt – durch gesellschaftliche Veränderungen, die Emanzipation der Frau, veränderte Arbeitsweisen sowie durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse.
Wichtige Entwicklungslinien:
- Die traditionelle Männlichkeit – geprägt von Härte, Durchsetzungsfähigkeit, Rationalität und Abgrenzung von Weiblichkeit – wurde über viele Jahrhunderte als gesellschaftliches Leitbild verstanden.
- Mit der zweiten Frauenbewegung ab den 1970er Jahren kam es zu einer verstärkten Infragestellung dieser dominanten (hegemonialen) Männlichkeit, da alte Privilegien und Machtpositionen an Legitimation verloren.
- Moderne Männlichkeitsbilder zeigen eine •große Vielfalt•: Männer sind heute aufgefordert, sowohl im Beruf als auch in der Familie Verantwortung zu übernehmen, Gefühle zu zeigen und empathisch sowie kooperativ zu handeln – ohne dass die klassischen Leistungsanforderungen völlig verschwunden wären.
- Der Anspruch, sowohl traditionell „stark“ als auch modern „sensibel“ zu sein, sorgt bei vielen Männern für Unsicherheiten („Männerkrise“). Dies spiegelt sich in wissenschaftlichen Diskussionen und gesellschaftlichen Debatten wider.
- Die Männerforschung hat den Fokus seit den 1990er Jahren vermehrt auf die soziale Konstruktion von Männlichkeit, auf Vielfalt („Männlichkeiten“ statt nur einer Männlichkeit) und auf das Wechselspiel von Dominanz und Verletzlichkeit gelegt.
- Neuere Männlichkeitsbilder ermutigen Männer, sich von starren Geschlechterrollen zu lösen und individuelle Wege zur Identität und zum Lebensglück zu finden – unabhängig von traditionellen Erwartungen.
Frauenbild kollidiert mit Männerbild?
- Das moderne Frauenbild in der Gesellschaft hat sich stark gewandelt und betont zunehmend Eigenständigkeit, berufliche Gleichstellung und Selbstbestimmung statt traditioneller Rollen. In Deutschland zeigt sich ein Trend zu egalitären Einstellungen, wobei Frauen als kompetent und erfolgreich dargestellt werden.
- Frauen werden häufiger als selbstbewusst, zufrieden und unabhängig präsentiert, weg von Fürsorge- und Opferrollen. Junge Generationen, Frauen und Gebildete lehnen traditionelle Geschlechterrollen stärker ab, mit über 80 Prozent Ablehnung von Männer-Vorzug bei Jobknappheit. Dennoch persistieren Herausforderungen wie der Gender Pay Gap von 18 Prozent und Unterrepräsentation in Führungspositionen.
- In Medien und Werbung verkörpern Frauen Kompetenz und Wohlbefinden, wobei der Anteil als “Ehefrau” in TV-Spots von 30 auf 16 Prozent sank. Die EU fördert Gleichstellung durch Maßnahmen gegen Gewalt, Lohnungleichheit und für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. International herrscht in Deutschland ein modernes Bild, das jedoch hinter Skandinavien zurückbleibt.
- Trotz Fortschritten gibt es Rückschläge wie antifeministische Tendenzen und Trends wie “Tradwife”, die traditionelle Hausfrauenrollen idealisieren. Sexismus im Alltag und Altersarmut bei Frauen bleiben akute Probleme. Der Wandel zu Fluidität und Diversität bricht Geschlechterstereotype auf.
Männer-Spagat bis die Knochen brechen?
Der deutsche Mann steckt aktuell stärker im Rollen-Spagat, während die deutsche Frau im Durchschnitt klarer in einem modern-egalitären Selbstbild angekommen ist. Beide Geschlechter sind insgesamt ähnlich lebenszufrieden, aber sie zahlen für ihre jeweiligen Rollenkonflikte an unterschiedlichen Stellen – Männer eher mit Identitäts- und Sinnfragen, Frauen eher mit Belastung und strukturellen Nachteilen.
Kurzbild in einem Satz
- Frauen: formal emanzipiert, faktisch oft doppelt belastet (Job, Care, mentale Last), aber mit relativ klarem Leitnarrativ „selbstbestimmt & egalitär“.
- Männer: rechtlich nicht benachteiligt, aber kulturell zwischen „alter Ernährerrolle“ und „neuem Sensibilitätsideal“ eingeklemmt, ohne wirklich stabiles neues Leitbild.
Rollenerwartungen heute
- Junge Frauen: Mehrheitlich egalitäre Vorstellungen, erwarten Partnerschaftlichkeit statt Hausfrauenmodell; Tradwife & Co. sind eher Nischenphänomene mit Social-Media-Lautstärke.
- Junge Männer: Etwa jeder zweite sieht sich immer noch als primären Ernährer; gleichzeitig sollen sie sensibel, reflektiert, gleichberechtigt und bitte nicht „toxisch“ sein.
Objektive Lage vs. subjektives Erleben
- Objektiv: Einkommen, Spitzenpositionen und politische Macht sind weiterhin eher männlich dominiert; Care-Arbeit, Teilzeit, Altersarmut und Sicherheitsrisiken (Gewalt, Sexismus) liegen stärker bei Frauen.
- Subjektiv: Über den Lebensverlauf ist die allgemeine Lebenszufriedenheit von Männern und Frauen fast identisch; je nach Altersgruppe hat mal die eine, mal die andere Seite einen Mini-Vorsprung.
Also Männer, Hose runter: wo hakt es bei euch?
- Erwartungsbruch: Das traditionelle Skript „starker Versorger, klare Rolle“ passt immer weniger zu Arbeitsmarkt, Beziehungen und Bildungsrealität, bleibt aber in vielen Köpfen aktiv.
- Orientierungsloch: Es gibt zwar unzählige Diskurse zu toxischer Männlichkeit, neuer Vaterschaft, Mental Health etc., aber wenig alltagstaugliche, positiv formulierte Leitbilder, an denen sich durchschnittliche Männer festhalten können.
Persönliche Einordnung
- Die deutsche Frau kämpft vor allem mit strukturellen Baustellen (Lohnlücke, Care-Last, Gewalt, Altersarmut), obwohl das kulturelle Skript inzwischen relativ klar „gleichberechtigt“ sagt.
- Der deutsche Mann kämpft eher mit einer kulturellen und identitären Baustelle: rechtlich privilegiert, kulturell zunehmend kritisiert, aber ohne klar positives, mehrheitsfähiges neues Männlichkeitsnarrativ.
Fazit: Das „moderne Männerbild“ ist nicht mehr eindeutig; es ist plural, flexibel und von experimentellen wie widersprüchlichen Elementen geprägt. Männer stehen heute vor der Herausforderung, alte Rollenmuster zu hinterfragen und selbstbestimmt neue Wege der Männlichkeit zu gestalten. Die Gefahr die dabei besteht, von der Frau nicht mehr ernst genommen zu werden. Zuerst musst du ja mal eine zu dir passende Qualtätsfrau finden. Ist dir das geglückt kannst du der einen du zu weich (wenig Durchsetzung und Kreativität), der anderen zu hart (toxisch männlich) sein.
Was machen wir Männer daraus?
Aus den oben beschriebenen Fakten kann sich ein Dilemma ergeben, nämlich die unklare Rollenverteilung. Wie meine ich das: ist es nicht wert für eine so schöne und wichtige Sache wie eine liebevolle Partnerschaft sich auf seine Ursprünglichkeit zu begeben?
Es gibt nämlich so etwas wie einen männlichen und einen weiblichen Pol. Die Frauen sind tendenziell auf dem weiblichen Pol. Und das bedeutet, dass sie durch Sogwirkung, durch weibliche kreative spirituelle Energie anziehend auf uns Männer wirken. Männer dagegen sind tendenziell auf dem männlichen Pol. Und das sorgt für Struktur, für Ordnung, für Sicherheit und Klarheit.
Gleichzeitig gibt es sehr viele Pärchen oder angehende Pärchen die miteinander schon seit einigen Wochen oder Monaten am Daten sind. Und noch immer ist nicht klar, wird es daraus eine Beziehung? Ist es eine Freundschaft? Möchten sie miteinander nur ins Bett gehen? Keiner von beiden weiss, was denn konkret die Situation ist! Jetzt hoffen viele Frauen, dass der Mann mit dieser Klarheit herauskommt. Aber viele Männer wissen diese Klarheit nicht oder trauen sich nicht mit dieser Klarheit herauszurücken und sie zu kommunizieren.
Was jetzt passiert ist, dass die Frau gezwungen ist aus ihrem weiblichen Pol in den männlichen Pol hinein zu tauchen, weil sie sich nach Sicherheit sehnt. Sicherheit ist aber im männlichen Pol. Wenn wir den Frauen also Sicherheit geben wollen, dann müssen wir KLAR kommunizieren, was wir jetzt gerade in unserer Dating-Beziehung wahrnehmen. Ob es eine Freundschaft ist, ob es nur eine sexuelle Verbindung für uns ist oder ob wir Gefühle haben und uns eine innige Beziehung wünschen oder uns selbst nich im Klaren sind, wie wir uns fühlen.
Egal, was wir wahrnehmen! Wir müssen unsere Wahrheit als Mann kommunizieren, damit die Frau uns gegenüber um so mehr in ihren weiblichen Pol hineinfallen kann und Sicherheit bekommt. Ganz besonders die Sicherheit für sich selbst die richtige Entscheidung treffen zu können.
Lass sie niemals deinen Wunsch nach ihr in Frage stellen…
Sag es ihr, zeige es ihr.
CC Beitragsbild: man and woman by Andreas Lang from Noun Project (CC BY 3.0)








