Fett macht nicht fett!

Und ist auch nicht unser Feind!

Je mehr Kohlenhydrate ich esse, umso weniger Fett verbrenne ich. Desto mehr Fett ich im Verhältnis zum täglichen Protein zu mir nehme, umso mehr Fett verbrenne ich. Auch das Depotfett. Komisch?! Nein! Logisch.

Inhalts dieses Beitrages:
Was sind Fette
Die wichtigsten Gründe für Fett im allgemeinen
Auf die Qualität kommt es an
Carnivoren und Fett
Fazit

Lesedauer 5 Minuten

Was sind Fette

Fette (Lipide) sind weit mehr als nur ein „Energiespeicher“ für schlechte Zeiten. Sie sind lebensnotwendige Makronährstoffe, die in jeder Zelle des menschlichen Körpers eine Rolle spielen.

Stell sie dir als die effizienteste Batterie der Natur vor: Während Kohlenhydrate und Proteine etwa 4 kcal pro Gramm liefern, bringen es Fette auf satte 9 kcal pro Gramm.

Fette werden zum Schutz der Nervenzellen, zur Hormonproduktion und zur Energieherstellung benötigt. Sie tragen auch zur Bildung neuer Muskelfasern bei. Täglich sollte etwa doppelt so viel Fett wie Protein (Eiweiß) aufgenommen werden.

Omega-3-Fettsäuren: Vor allem die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA unterstützen den Muskelaufbau und reduzieren Entzündungen, die nach intensivem Training natürlicherweise auftreten.

Fette haben oft einen schlechten Ruf, aber eigentlich sind sie echte Multitalente und für den Körper absolut lebensnotwendig. Ohne sie würde unser System ziemlich schnell ins Stocken geraten.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum Fette im allgemeinen „gut“ und wichtig sind:

  1. Der ultimative Energiespeicher

Fett ist der effizienteste Energielieferant. Während Kohlenhydrate und Proteine etwa 4 kcal pro Gramm liefern, kommt Fett auf satte 9 kcal pro Gramm. Es dient als langfristige Reserve für Zeiten, in denen weniger gegessen wird oder körperliche Anstrengung stattfindet.

  1. Aufnahme von Vitaminen

Manche Vitamine sind „fettlöslich“. Das bedeutet, dein Körper kann sie nur aufnehmen und verwerten, wenn gleichzeitig etwas Fett im Spiel ist. Dazu gehören:

Vitamin A: | Wichtig für die Sehkraft.
Vitamin D: | Essenziell für die Knochen.
Vitamin E: | Schützt die Zellen.
Vitamin K: | Wichtig für die Blutgerinnung.

  1. Baustoff für Zellen und Hormone

Jede einzelne unserer Billionen Körperzellen besitzt eine Membran (Hülle), die größtenteils aus Lipiden (Fetten) besteht. Zudem ist Fett die Grundsubstanz für die Herstellung vieler Hormone (wie Testosteron oder Östrogen) und wichtig für die Gehirnfunktion – das Gehirn besteht sogar zu etwa 60 % aus Fett!

  1. Schutz und Isolierung

Fett erfüllt auch ganz praktische mechanische Aufgaben:

Polsterung: | Es schützt deine inneren Organe (wie die Nieren) vor Stößen.
Wärmeschutz: | Das Unterhautfettgewebe fungiert als Isolierschicht und bewahrt dich vor dem Auskühlen.

Auf die Qualität kommt es an

Nicht alle Fette sind gleich. Man unterscheidet grob:

| Fettart | Bewertung | Vorkommen |

| Ungesättigte Fettsäuren | Sehr gut | Olivenöl, Avocados, Nüsse, Fisch (Omega-3).
| Gesättigte Fettsäuren | In Maßen okay | Butter, Fleisch, Kokosfett.
| Transfette | Ungesund | Frittiertes, Gebäck, industriell gehärtete Fette.

Kleiner Tipp für Salat esser: Ein Schuss hochwertiges Öl im Salat sorgt nicht nur für Geschmack, sondern stellt sicher, dass die Vitamine aus dem Gemüse auch wirklich in deinem Stoffwechsel ankommen. Carnivoren beschränken sich zumeist auf die gute Butter, Nierenfett bzw. Schmalz.

Bei carnivorem Lifestyle mit Verzicht auf den Verzehr von Kohlenhydraten

Bei einer proteinreichen Ernährung mit wenig Kohlenhydraten (oft als „No / Low Carb“ oder in extremer Form als „Keto“ bezeichnet) übernimmt Fett eine entscheidende Rolle. Wenn die Kohlenhydrate als primären Energielieferanten drastisch reduziert werden, muss der Körper umdenken.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum Fett in diesem Fall unverzichtbar ist:

  1. Fett wird zur Hauptenergiequelle
    Kohlenhydrate sind für den Körper wie „schnelles Brennholz“. Wenn dieses fehlt, stellt der Stoffwechsel auf Fettverbrennung um (Lipolyse). In einem Zustand sehr niedriger Kohlenhydratzufuhr produziert die Leber aus Fettsäuren sogenannte Ketonkörper, die dann Gehirn und Muskeln mit Energie versorgen. Ohne ausreichend Fett in der Nahrung würden wir uns bei No/Low Carb extrem schlapp und energielos fühlen.
  2. Hormonproduktion und Zellgesundheit
    Viele wichtige Hormone, darunter Geschlechtshormone wie Testosteron und Östrogen sowie das Stresshormon Cortisol, werden aus Cholesterin und Fettsäuren gebildet. Eine zu fettarme Ernährung bei gleichzeitig hohem Proteinkonsum kann den Hormonhaushalt stören. Zudem bestehen unsere Zellmembranen zu einem großen Teil aus Fetten.
  3. Aufnahme fettlöslicher Vitamine
    Die Vitamine A, D, E und K sind fettlöslich. Das bedeutet, der Körper kann sie nur aufnehmen und verwerten, wenn gleichzeitig Fett verdaut wird. Wer nur mageres Protein (wie Putenbrust oder Eiklar) und Gemüse ohne Öl isst, riskiert trotz Vitaminzufuhr einen Nährstoffmangel.
  4. Sättigung und Genuss
    Protein sättigt zwar sehr gut, aber Fett verzögert die Magenentleerung zusätzlich und sorgt für eine langfristige Sättigung. Fett ist zudem ein Geschmacksträger. Eine Ernährung, die nur aus Protein und Wasser besteht, ist geschmacklich oft sehr einseitig und schwer durchzuhalten („Heißhunger-Gefahr“).
  5. Schutz vor „Rabbit Starvation“ (Proteinvergiftung)
    Es gibt eine theoretische Grenze, wie viel Protein die Leber und Nieren pro Tag verarbeiten können. Wenn du dich fast ausschließlich von magerem Protein ernährst (ohne Fett und ohne Kohlenhydrate), kann es zu einer sogenannten Proteinvergiftung kommen. Fett dient hier als notwendiger Puffer, um den Proteinanteil an der Gesamtkalorienmenge in einem gesunden Rahmen zu halten (meistens nicht mehr als 35% der Kalorien aus Protein).
  6. Insulinspiegel niedrig halten
    Fett hat von allen Makronährstoffen den geringsten Einfluss auf den Insulinspiegel. Da das Ziel einer kohlenhydratarmen Ernährung meistens die Kontrolle des Insulins (und damit die Fettverbrennung) ist, eignet sich Fett ideal als kalorische Basis, ohne den Blutzucker in die Höhe zu treiben.

Fazit
In einer Carnivoren No / Low-Carb-Ernährung ist Fett kein Feind, sondern ein guter Freund weil es der Treibstoff ist. Wichtig ist dabei jedoch die Qualität: Top sind ungesättigte Fettsäuren (Avocados, Nüsse, Olivenöl, fetter Fisch) und hochwertige gesättigte Fette (Fettes Fleisch, Butter von Weiderindern, Kokosöl). Schlecht sind alle industriell verarbeitete Transfette (Frittiertes, Billig-Gebäck) und Saatenöle.

Teilt die Freude